1957 bis 2007 - 50 Jahre Sportverein Linde Ideen, Begeisterung – und viel Ausdauer

Am Anfang stand der Fußball

 

Zuerst mal ging es in den Fünfzigerjahren um Fußball. Denn genau wie in der gesamten gerade acht Jahre alten Bundesrepublik Deutschland, war die Fußballbegeisterung in Linde nach dem WM-Titel 1954 riesengroß. Also musste ein Verein her, und vor allem ein Platz.

 

Lehrer, Pfarrer, Dorfälteste und 80 Bürger 

 

Am 28. Juli 1957 trafen sich Lehrer, Pfarrer, Dorfälteste und alle anderen, die sich für den Sport begeisterten, im Schulhaus. Sie gründeten den Sportverein Linde. 80 Bürger schrieben sich in das Gründungsprotokoll ein. Das war eine ziemlich große Zahl für den verhältnismäßig kleinen Ort Linde.

 

Ein Platz mußte her

 

Gut, ein Verein war nun da, Sportbegeisterte auch. Was aber fehlte, war ein Sportplatz. Kurzerhand stellte Hermann Müller deshalb eine Wiese an der Josefsstraße zur Verfügung. Nach Auskunft von Experten war es aber zu aufwendig, hier einen Sportplatz anzulegen. Also half der Fußballobmann Clemens Brochhaus mit seiner Wiese hinter der Bäckerei in Müllersommer Richtung Frangenberg. Das Grün hatte zwar mehrere Meter Gefälle zum Ommerbach hin, aber das störte nur die Gegner.

 

Schräg war auch der Ascheplatz, trockener als der Wiesenhang

 

Als später durch einen Grundstückstausch zwischen Hermann Müller und Josef Kremer ein Waldstück in Frangenberg mit Unterstützung des ansässigen Steinbruchunternehmers Pack gerodet und planiert wurde, konnten sich die Fußballspieler endlich über einen permanenten Platz freuen. Die Maße waren nicht gerade üppig, aber die Mindestgröße eines Sportplatzes wurde erreicht. Eine Drainage war nicht erforderlich, denn der Platz fiel in Richtung Spich 1,5 Meter ab. Das war noch immer reichlich, aber nicht mehr so extrem wie der „Hang“ am Ommerbach. Jetzt hatte Linde nicht mehr den schrägsten, wohl aber den trockensten Sportplatz in der Gegend.

 

Grunderneuerung in Planlage und normgerechten Ausmaßen

 

1976 wurde der Platz vergrößert und 1979 bis 1980 neu aufgebaut, begradigt und mit einer Drainage ausgestattet. Dieser Platz genügte nun allen Ansprüchen. Die Alte-Herren-Mannschaft legte sich richtig ins Zeug und passte die Trainingsbeleuchtung aus den Sechzigerjahren der neuen Platzgröße an. Mitte der Neunziger zeigte die Anlage dann allerdings Anzeichen von Altersschwäche. Hilfe kam von der Firma „Radium“. Sie stattete die Flutlichtanlage mit leistungsfähigen Versuchslampen aus. Der SV Linde führt im Gegenzug über die Brenndauer und Schalthäufigkeit der Scheinwerfer genau Buch.

 

Vom Kaltwasserhahn zur solarbetriebenen Therme

 

Nicht nur beim Platz und bei der Beleuchtung sorgten die Mitglieder des SV Linde durch viel Einsatz und Ideenreichtum für Verbesserungen und für Fortschritte: Als Kabine und Waschraum diente zunächst die Waschküche des Vereinslokals, später ein Kellerraum in der Schule mit zwei Kaltwasserhähnen. 1971 versetzte der SV Linde eine Baracke zum Sportplatz und baute sie zur Dusche und Umkleidekabine um. 1985 wurde ein neues Umkleidegebäude in Massivbauweise errichtet. Die Umkleidekabinen, die Duschen und Toiletten waren bis unter die Decke gefliest. Mit der Unterstützung des ortansässigen Installateurbetriebes Gebert & Gebert und gefördert mit Bundes- und Gemeindemitteln, konnte eine solarunterstützte Heizungsanlage eingebaut werden.

 

Praktisch und schmuck im Klinkerlook

 

Einige Jahre verwandelte sich das 1985 errichtete Heim am Sportplatz mit nun verklinkerten Außenwänden in ein kleines Schmuckstück. 1998 unterstützte die Tiefbaufirma Jansen die Einrichtung eines Parkplatzes direkt nebenan. Inzwischen ist durch den wachsenden Spielbetrieb die Größe der Duschen und Umkleidekabinen nicht immer ausreichend, weshalb über eine erneute Erweiterung nachgedacht wird.

 

Rasante Entwicklung vieler Sportvarianten

 

So wie der SV Linde mit bemerkenswerter Ausdauer seinen Sportplatz pflegte und verbesserte, verbreiterte sich auch das Sportangebot. Dabei waren zunächst Mobilität und viel guter Wille von allen Beteiligten gefordert, denn es fehlte eine Halle. 1973 gründeten die Damen ihre Gymnastikgruppe, die in der Turnhalle Hartegasse trainierte. Es waren wieder die Damen, die sich später zu einer Badmintongruppe zusammenschlossen. Später kamen die Herren dazu, gespielt wurde anfangs in der Mehrzweckhalle Frielingsdorf. Eine Jiu-Jitsu-Gruppe formierte sich 1993 und trainierte zunächst im Jugendheim. Als die Zahl der Jiu-Jitsuka auf über 60 wuchs, mietete die Gruppe einen nicht genutzten Heuschober in Spich an, um dort ihre „sanfte Kunst“ zu üben und zu praktizieren. Und die Nachfrage der sportbegeisterten Linder wuchs weiter: Volleyball, Kinderturnen, Seniorengymnastik ...

 

Vom Nahkampf im Heustall zum Zirkus in der eigenen Halle

 

Endlich, im Jahr 2003, erhielt der SV Linde dann auch seine Halle: Die Gemeinde Lindlar baute das ehemalige „Übergangsheim“ um. Das Gebäude war 1990 bereits mit einer Deckenhöhe von 4,5 Metern errichtet worden und verwandelte sich nun in eine Sportstätte von zehn mal 12,5 Metern Grundfläche. Das war nicht gigantisch groß, aber es reichte, und es war „klein aber fein“ Anfangs nahmen an einer Längsseite aufgestellte Geräte noch auf rund zwei Meter Breite Übungsfläche weg. Der Entschluss, hier Abhilfe zu schaffen, war schnell gefasst. Die Umsetzung geriet da schon deutlich zäher, bis die Linder wie in ihrer ersten Fußballzeit erneut zur Selbsthilfe griffen und in Eigenleistung mit einem Zuschuss der Gemeinde einen Anbau errichteten. In dem stehen heute nicht nur die Geräte trocken und sicher. Es ist darüber hinaus sogar Platz für einen Kraftraum geschaffen worden.  Die Jiu-Jitsu-Gruppe zog aus dem Heustall die Halle. Eine Seniorengymnastikgruppe wurde gegründet. Die Damengymnastik konnte nun „zu Hause“ trainieren, und für die jüngeren Frauen wurde eine BAFT-Gruppe (Bodyforming, Aerobic, Fitness, Tae-Bo) ins Leben gerufen. Drei Übungsleiter helfen den Kindern des SV Linde dabei, ihren Traum vom Auftritt in der Manege im „Zirkus Pfiffikus“ zu verwirklichen.

 

Internationale Wandertage haben Tradtion

 

Ständig verändert und erweitert sich die Sportpalette des SV Linde. Selbstverständlich sind Trendsportarten wie das „Nordic Walking“ vertreten, wobei auch das gute, alte Wandern eine beachtliche Tradition aufweisen kann. Bereits 1980 trat die Wanderabteilung in den Internationalen Volkssport Verband (IVV) ein. Seit diesem Jahr locken die Linder Wandertage in der 24. Kalenderwoche mit sechs, zehn und 20 Kilometer langen, abgesteckten Strecken im schönen Bergischen Land Wanderbegeisterte in großer Zahl an. In den 80er Jahren waren es über 3000, heute sind es immerhin um die 1700, die in etlichen Pkw und Reisebussen nach Linde reisen.

 

Offen für neue Trendsportarten

 

Trendsportarten kommen und gehen, Interessen verändern sich. Über fünf Jahrzehnte ist der SV Linde dabei stetig gewachsen. Der Verein ist nicht jeder Mode hinterhergerannt, hat sich aber Neuem auch nicht verschlossen. Eines blieb seit den Anfängen unverändert: Der Sport mit Jugendlichen steht damals wie heute im Mittelpunkt des Vereinsinteresses. So sind 260 der rund 500 Mitglieder heute unter 18 Jahre alt. Das ist eine höchst erfreuliche Zahl in einer Zeit, da Bewegungsarmut und mangelnde soziale Kontakte viele junge Menschen körperlich und seelisch belasten.

 

Im Mittelpunkt steht nach wie vor die Jugend

 

Die Jugendlichen finden im SV Linde ein Stück Gemeinschaft, das hier ohne den Verein nur schwer am Leben zu erhalten wäre. Dass es diese Gemeinschaft heute gibt, ist nur durch den begeisterten, unermüdlichen und selbstlosen Einsatz der Trainer, Betreuer und der vielen Ehrenamtlichen möglich. Ihnen allen dankt der SV Linde ganz herzlich im Namen aller Mitbürger – der jungen wie der alten.